Gasthaus zur Stadt Paris - Blauensteiner
kurartiert von Karin Sulimma 1999

Einer namentlichen Zeitreise kann man nicht beiwohnen, sie bleibt immer abstrakt, so sehr auch der sprachliche Verlauf den realen nahelegt oder vorwegzunehmen scheint. Im Verschwinden begriffene Orte werden mit jeder Sichtung immer auch neu konstruiert.
„Zur Stadt Paris“, der Name des Lokals, nahe des Wiener Rathauses, bezieht sich auf die kulturellen Verbindungen zwischen den Metropolen Wien und Paris zur Zeit des fin de siècle. Seit geraumer Zeit ist das „Gasthaus zur Stadt Paris – Blauensteiner“ nur mehr sporadisch für Stammgäste geöffnet. Herr Blauensteiner, der Besitzer, nutzt den Raum zunehmend für private Zwecke. Die Fotoinstallation
von Viktoria Tremmel mit Aufnahmen von Stammgästen im Format 1:1 bezieht sich unaufdringlich auf diese Veränderungen des Lokals. Durch die Wahl des Großformats und die provisorische Präsentation wahrt sie Distanz zu den Erinnerungsfotos und den privaten Utensilien: Die Teilhabe von Außenstehenden an der privaten Atmosphäre erscheint fragwürdig. Die Thematisierung der Spannung
und des Verhältnisses zwischen öffentlich und privat, dem Stammpublikum und dem Kunstpublikum ist das zentrale Anliegen der Fotoinstallation.
Nicola Hirner